Kein neues Phänomen

Historische UFO-Sichtungen und Phänomene im Luftraum von 1947 bis 1400 v. Chr.

 

„Die Ära der Fliegenden Untertassen begann am 24. Juni 1947 mit der Sichtung einer Formation unidentifizierbarer Objekte durch den Piloten Kenneth Arnold über dem Mount Rainier im Staate Washington.“ Ein solches oder ähnliches Statement findet man in den meisten Büchern, Artikeln oder Video-Dokumentationen über das UFO-Phänomen. Unter Ufologen gilt diese Aussage als historische Tatsache und es gibt kaum jemanden, der auf die Idee käme, sie ernsthaft zu bezweifeln und auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Vielleicht liegt das daran, dass sie ein Stützpfeiler des zentralen Dogmas der Ufologie ist - der extraterrestrischen Hypothese oder ETH: „UFOs und ihre Insassen sind Besucher von anderen Planeten.“ (vgl. auch Jacques Vallée: Five Arguments against the Extraterrestrial Theory; PDF-Download)

 

Scheinbar hängt die Zunahme der UFO-Sichtungen in den 40er Jahren mit den ersten Explosionen von Atombomben zusammen und wird in der Regel so interpretiert, dass „sie“ auf uns aufmerksam geworden sind und uns „überwachen“ wollen – entweder zu unserem eigenen Schutz oder zu „ihrem“. Tatsache ist, dass es nach dem 2. Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges eine große Zahl an zum Teil spektakulären UFO-Sichtungen über militärischen Atomanlagen in den USA und auch in anderen Staaten gab (vgl. UFOs and Nukes). Tatsache ist aber auch, dass wir nicht die geringsten Hinweise darauf haben, um was es sich bei den UFOs und deren Insassen handelt oder woher sie kommen. Wir können nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob sie tatsächlich existieren in dem Sinne, wie es materielle Objekte und Lebewesen auf unserer Erde tun. Einerseits gibt es UFO-Sichtungen, bei denen physikalische oder biologische Wechselwirkungen mit der Umgebung dokumentiert wurden, z.B. bei Landungen Abdrücke im Boden, Hitze- oder Kälteempfindungen bei Zeugen, Magnetisierung von Stahlteilen oder Beeinflussung der Elektronik von Fahrzeugen und Flugzeugen, Veränderung der Wachstumsrate von Pflanzen / Mikroorganismen. Dies spricht für real existierende, materielle Objekte. Bei anderen Sichtungen, wiederum, schein es sich eher um von außen induzierte psychologische Vorgänge oder die Manifestation einer anderen Realität zu handeln, die sich uns völlig anders präsentiert, als sie in Wirklichkeit ist.

 

Ein weiteres Beispiel für die anthropozentrisch geprägte Argumentation vieler Ufologen sind die UFO-Entführungen. Unbestreitbar ist, dass einige der Zeugen, die von derartigen Erlebnissen berichten, durch für sie subjektiv „reale“ Geschehnisse traumatisiert wurden. Offensichtlich handelt es sich zumindest in diesen Fällen nicht um Schlafparalyse, Alpträume oder durch Hypnose erschaffene Erinnerungen. Bei der psychologischen Untersuchung dieser Zeugen konnte gezeigt werden, dass sie nicht psychisch krank sind, sondern gesunde, durchschnittliche Menschen, die völlig unvorbereitet mit den Geschehnissen konfrontiert wurden (vgl. Helmut Lammer: UFO-Nahbegegnungen, S. 38). Tatsächlich berichten viele der Zeugen, dass sie während ihrer Erlebnisse durch die Beobachtung der Umgebung oder die Kommunikation mit den Besuchern den Eindruck bekamen, dass diese „von anderen Planeten“ stammten und uns zu bestimmten Zwecken besuchen – oft werden in diesem Zusammenhang medizinische Untersuchungen und Experimente erwähnt. Aber natürlich ist es auch hier notwendig darauf hinzuweisen, dass es irreführend wäre, die Aussagen dieser Zeugen wörtlich zu nehmen, da wir nicht überprüfen können, ob es sich auch objektiv um reale Ereignisse handelt. Und falls dies tatsächlich so wäre, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir die Absichten der Besucher, ihre Realität und ihre Motivationen verstehen würden. Gerade deshalb wäre eine unabhängige Untersuchung des Entführungs-Phänomens durch die Wissenschaft so wichtig. Nur durch eine sorgfältige und neutrale Analyse der Daten wären wir in der Lage, das Phänomen klarer zu erfassen - ein Beispiel für eine solche Analyse liefert der über 600 Seiten starke, sehr bemerkenswerte Symposiumsband Alien Discussions von 1996. Die Mainstream-Wissenschaften zeigen sich jedoch gänzlich uninteressiert und der gesamte Themenkomplex ist nach wie vor stark tabuisiert (vgl. Exkurs 4 - Die vier Kränkungen der Menschheit).

 

Es gibt noch einen weiteren Grund, der dazu mahnt, die extraterrestrische Hypothese als das zu werten was sie ist - eine Hypothese und kein dogmatischer Lehrsatz: Es sind die unzähligen UFO-Sichtungen und Beschreibungen ungewöhnlicher Himmelsphänomene aus historischer Zeit und aus dem Altertum. Jacques Vallée und Chris Aubeck haben in ihrem sorgfältig recherchierten Buch Wonders in the Sky fünfhundert solcher Berichte zusammengetragen und analysiert und kommen zu der Überzeugung, dass das UFO-Phänomen die Menschheit bereits seit tausenden von Jahren begleitet. Die Vorstellung, dass es sich bei den Besuchern „nur“ um Außerirdische von anderen Planeten handelt, scheint in Anbetracht dieses langen Zeitraumes nicht stimmig zu sein und wird der Komplexität des Phänomens nicht gerecht.

 

Berichte von Lichtphänomenen und materiellen Objekten am Himmel, Begegnungen mit „Göttern von den Sternen“ (vgl. Sixkiller Clarke) und Kontakten mit Elfen, Kobolden, Dschinnen und anderen nichtmenschlichen Wesen ziehen sich durch alle Kulturen und Epochen der menschlichen Entwicklung und haben große Ähnlichkeit mit denen heutiger UFO-Zeugen. Vallée und Aubeck stellen mit ihrer Arbeit das moderne UFO-Phänomen in einen historischen Kontext und belegen, dass der von vielen Ufologen als historische Wahrheit akzeptierte „Beginn“ der UFO-Sichtungen mit Kenneth Arnold keine wissenschaftliche Grundlage hat, sondern - wie schon oben angedeutet - ideologisch begründet ist.

 

Geschichten über Sichtungen und Kontakte sind bereits im Mittelalter sehr verbreitet und ihre Zahl bleibt auch dann noch beachtlich, wenn man natürliche Phänomene wie Meteoritenschauer, Kometen oder atmosphärische Effekte herausfiltert. Doch besonders aus den letzten zwei Jahrhunderten gibt es viele faszinierende Berichte über ungewöhnliche Ereignisse. Der Anstieg an Sichtungen während der letzten zweihundert Jahre liegt insbesondere in den sich entwickelnden Möglichkeiten der Vervielfältigung von Schriftgut und der Verbreitung von Nachrichten begründet (Vallée & Aubeck: Wonders in the Sky, S. 452).

 

Die große Herausforderung bei der Analyse der alten Texte und Chroniken ist einerseits ihre „Entfärbung“ von kulturell und religiös geprägten Inhalten der Epoche, aus der sie stammen. Andererseits besteht die Gefahr des unbewussten „Umdeutens“ oder der Missdeutung der Berichte vor dem eigenen kulturellen Hintergrund. Diese beiden Punkte bilden daher auch eine wesentliche Kritik an Vallées und Aubecks historischem Ansatz. Die Autoren räume deshalb ausdrücklich die Möglichkeit von Fehlinterpretationen ein und legen ihre Methodik bei der Auswahl der Fallbeispiele im Detail offen.

 

Der historische Ansatz ist zur Entschlüsselung des UFO-Phänomens unverzichtbar. Das Phänomen ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erahnen lässt, und ideologisch geprägten Interpretationen, wie der der außerirdischen Besucher, sollte grundsätzlich mit Vorsicht und Zurückhaltung begegnet werden. Auch, wenn man sich diese noch so sehr wünschen mag: Im Falle des UFO-Phänomens gibt es keine „einfachen“ Wahrheiten und deshalb ist auch seine Untersuchung nicht einfach.

 

Die Analyse historischer UFO-Sichtungen und Phänomene im Luftraum bietet eine faszinierende Möglichkeit des Erkenntnisgewinns und eröffnet einen völlig neuen Blickwinkel auf das gesamte Phänomen. Um dies zu veranschaulichen, sollen im folgenden zehn Fälle beispielhaft vorgestellt werden - beginnend mit den rätselhaften Sichtungen von Luftschiffen im 19. Jahrhundert:

 

1896 – 1897: Rätselhafte Luftschiffe

 

8. April 1665: Fliegende Untertasse mit Kuppel über Stralsund, Deutschland

 

1394 im Winter: Ein tonnenförmiges Objekt erscheint über verschiedenen Orten in England

 

Um 1059: Eine leuchtende Perle im See - Fanliang, China

 

März 900: Zwei riesige, fliegende Objekte über China

 

497: Eine Sphäre am Himmel und zwei Lichtstrahlen über den Britischen Inseln

 

Frühjahr 260: Ein Kind vom Mars schwebt davon - China

 

24. Mai 12 v. Chr.: Ein großes schwebendes Objekt mit Feuerregen - China

 

404 v. Chr.: Geleitet von einer leuchtenden Säule am Himmel - Attica, Griechenland

 

1347 v. Chr.: Echnatons fliegende Scheibe – El-Amarna, Niltal, Ägypten